Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung

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KOSTENLOSER AUSZUG

vom 5. August 2016 (Stand am 1. Januar 2018)

86914

Fachfrau Gesundheit EFZ/Fachmann Gesundheit EFZ

Assistante en soins et santé communautaire CFC/ Assistant en soins et santé communautaire CFC

Operatrice sociosanitaria AFC/ Operatore sociosanitario AFC

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI),

gestützt auf Artikel 19 des Berufsbildungsgesetzes vom 13. Dezember 20021, auf Artikel 12 der Berufsbildungsverordnung vom 19. November 20032 (BBV) und auf Artikel 4 Absatz 4 der Jugendarbeitsschutzverordnung vom 28. September 20073 (ArGV 5),

verordnet:4

1. Abschnitt: Gegenstand und Dauer
Art. 1 Berufsbild

Fachfrauen Gesundheit und Fachmänner Gesundheit auf Stufe EFZ beherrschen namentlich die folgenden Tätigkeiten und zeichnen sich durch folgende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen aus:

a.Sie pflegen und betreuen Klientinnen und Klienten in Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens im stationären wie ambulanten Bereich. Sie führen in diesem Rahmen auch medizinaltechnische Verrichtungen aus.b.Sie unterstützen das körperliche, soziale und psychische Wohlbefinden von Personen jeden Alters in deren Umfeld und gestalten mit ihnen den Alltag.c.Sie erbringen administrative und logistische Dienstleistungen und stellen die Schnittstellen zu den verschiedenen Dienstleistungsbereichen sicher.d.Sie gestalten und pflegen im Berufsalltag eine respektvolle berufliche Beziehung zu den Klientinnen und Klienten und richten ihr Handeln an deren Bedürfnissen aus. Sie respektieren die Klientinnen und Klienten als Individuen mit ihren spezifischen Wertesystemen.e.Sie erbringen die Leistungen im Rahmen ihrer erworbenen Handlungskompetenzen, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der betrieblichen Regelungen selbstständig.
Art. 2 Dauer und Beginn

1 Die berufliche Grundbildung dauert 3 Jahre.

2 Der Beginn der beruflichen Grundbildung richtet sich nach dem Schuljahr der zuständigen Berufsfachschule.


2. Abschnitt: Ziele und Anforderungen
Art. 3 Grundsätze

1 Die Ziele und die Anforderungen der beruflichen Grundbildung werden in Form von Handlungskompetenzen, gruppiert nach Handlungskompetenzbereichen, festgelegt.

2 Die Handlungskompetenzen umfassen Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen.

3 Beim Aufbau der Handlungskompetenzen arbeiten alle Lernorte zusammen. Sie koordinieren die Inhalte der Ausbildung und der Qualifikationsverfahren.

Art. 4 Handlungskompetenzen

Die Ausbildung umfasst in den folgenden Handlungskompetenzbereichen die nachstehenden Handlungskompetenzen:

a.Umsetzen von Professionalität und Klientenzentrierung: 1.als Berufsperson und als Teil des Teams handeln,2.Beziehungen zu Klientinnen und Klienten sowie deren Umfeld professionell gestalten,3.gemäss den eigenen Beobachtungen situationsgerecht handeln,4.gemäss den altersspezifischen Gewohnheiten, der Kultur und der Religion der Klientinnen und Klienten situationsgerecht handeln,5.bei der Qualitätssicherung mitarbeiten;b.Pflegen und Betreuen: 1.Klientinnen und Klienten bei der Körperpflege unterstützen,2.Klientinnen und Klienten bei ihrer Mobilität unterstützen,3.Klientinnen und Klienten bei der Ausscheidung unterstützen,4.Klientinnen und Klienten bei der Atmung unterstützen,5.Klientinnen und Klienten bei der Ernährung unterstützen,6.Klientinnen und Klienten beim Ruhen und Schlafen unterstützen;c.Pflegen und Betreuen in anspruchsvollen Situationen: 1.in Notfallsituationen situationsgerecht reagieren,2.bei der Betreuung von Klientinnen und Klienten in der Sterbephase mitarbeiten,3.bei der Begleitung von Klientinnen und Klienten in Krisensituationen mitwirken,4.bei der Begleitung von Klientinnen und Klienten mit chronischen Erkrankungen, Multimorbidität und in palliativen Situationen mitwirken,5.Klientinnen und Klienten mit Verwirrtheitszuständen unterstützen;d.Ausführen medizinaltechnischer Verrichtungen: 1.Vitalzeichen kontrollieren und Flüssigkeitsbilanz erstellen,2.venöse und kapillare Blutentnahmen durchführen,3.Medikamente richten und verabreichen,4.Infusionen ohne medikamentöse Zusätze richten und bei bestehendem peripher venösem Zugang verabreichen und Infusionen mit bestehenden medikamentösen Zusätzen wechseln,5.Sondennahrung bereitstellen und diese bei bestehendem Zugang verabreichen,6.subkutane und intramuskuläre Injektionen durchführen,7.bei primär und sekundär heilenden Wunden einen Verband wechseln;e.Fördern und Erhalten von Gesundheit und Hygiene: 1.Arbeitssicherheit, Hygienemassnahmen und Umweltschutz einhalten,2.Massnahmen zur Prävention durchführen,3.die Ressourcen von Klientinnen und Klienten fördern,4.Klientinnen und Klienten bei Ernährungsfragen informieren und begleiten;f.Gestalten des Alltags: 1.mit verschiedenen Klientengruppen den Alltag professionell gestalten,2.Klientinnen und Klienten beim Aufbau und Einhalten einer Tagesstruktur unterstützen,3.Anliegen der Klientinnen und Klienten nach individueller Sexualität wahrnehmen und den passenden Rahmen schaffen;g.Wahrnehmen hauswirtschaftlicher Aufgaben: 1.Klientinnen und Klienten bei der Pflege und bei der situationsgerechten Wahl der Kleidung unterstützen,2.für ein sauberes und sicheres Lebensumfeld unter Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse sorgen;h.Durchführen administrativer und logistischer Aufgaben: 1.bei der Vorbereitung und Durchführung von Ein- und Austritten mitarbeiten,2.mit der betriebsspezifischen Informations- und Kommunikationstechnologie arbeiten,3.Transporte von Klientinnen und Klienten organisieren,4.Verbrauchsmaterialien und Medikamente bewirtschaften,5.Apparate und Mobiliar unterhalten.

3. Abschnitt: Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz
Art. 51

1 Die Anbieter der Bildung geben den Lernenden zu Beginn und während der Bildung Vorschriften und Empfehlungen zur Arbeitssicherheit, zum Gesundheitsschutz und zum Umweltschutz, insbesondere zur Gefahrenkommunikation (Gefahrensymbole, Piktogramme, Gebotszeichen) in diesen drei Bereichen, ab und erklären sie ihnen.

2 Diese Vorschriften und Empfehlungen werden an allen Lernorten vermittelt und in den Qualifikationsverfahren berücksichtigt.

3 Den Lernenden wird an allen Lernorten das Wissen über nachhaltige Entwicklung, insbesondere über den Ausgleich zwischen gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Interessen, vermittelt.

4 In Abweichung von Artikel 4 Absatz 1 ArGV 5 und gemäss den Vorgaben nach Artikel 4 Absatz 4 ArGV 5 können die Lernenden entsprechend ihrem Ausbildungsstand für die im Anhang zum Bildungsplan aufgeführten Arbeiten herangezogen werden.

5 Voraussetzung für einen Einsatz nach Absatz 4 ist, dass die Lernenden entsprechend den erhöhten Gefährdungen ausgebildet, angeleitet und überwacht werden; diese besonderen Vorkehrungen werden im Anhang zum Bildungsplan als begleitende Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes festgelegt.


1 Fassung gemäss Ziff. II 66 der V des SBFI vom 24. Nov. 2017 über die Änderung von Bildungsverordnungen betreffend das Verbot gefährlicher Arbeiten, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 7331).


4. Abschnitt: Umfang der Bildung an den einzelnen Lernorten und Unterrichtssprache
Art. 6 Bildung in beruflicher Praxis im Betrieb und an vergleichbaren Lernorten

1 Die Bildung in beruflicher Praxis im Betrieb umfasst über die ganze Dauer der beruflichen Grundbildung im Durchschnitt 3½ Tage pro Woche.

2 Findet die Bildung in beruflicher Praxis in einer schulisch organisierten Grundbildung statt, ist die Vermittlung der beruflichen Praxis mit der zuständigen Organisation der Arbeitswelt zu regeln.

3 In einer schulisch organisierten Grundbildung, wird die Bildung in beruflicher Praxis in betrieblichen Praktika vermittelt. Sie dauert gesamthaft zwischen 65 und 87 Wochen und wird wie folgt auf die Dauer der beruflichen Grundbildung verteilt:

a.1. Lehrjahr: 20-30 Wochen;b.2. Lehrjahr: 20-30 Wochen;c.3. Lehrjahr: 25-35 Wochen.
Art. 7 Berufsfachschule

1 Der obligatorische Unterricht an der Berufsfachschule umfasst 1600 Lektionen. Diese teilen sich für die betrieblich organisierte berufliche Grundbildung gemäss nachfolgender Tabelle auf:

Unterricht

1. Lehrjahr

2. Lehrjahr

3. Lehrjahr

Total

a.Berufskenntnisse
-Umsetzen von Professionalität und Klientenzentrierung

60

80

20

160

-Pflegen und Betreuen

150

90

20

260

-Pflegen und Betreuen in anspruchsvollen Situationen

0

70

90

160

-Ausführen medizinaltechnischer Verrichtungen

35

90

20

145

-Fördern und Erhalten von Gesundheit und Hygiene

70

70

0

140

-Gestalten des Alltags

40

40

10

90

-Wahrnehmen hauswirtschaftlicher Aufgaben

40

0

0

40

- Durchführen administrativer und logistischer Aufgaben

45

0

0

45

Total

440

440

160

1040

b.Allgemeinbildung

120

120

120

360

c. Sport

80

80

40

200

Total Lektionen

640

640

320

1600

2 Geringfügige Abweichungen von der vorgegebenen Anzahl der Lektionen pro Lehrjahr innerhalb eines Handlungskompetenzbereichs sind in Absprache mit den zuständigen kantonalen Behörden und der zuständigen Organisation der Arbeitswelt möglich.

3 Für den allgemeinbildenden Unterricht gilt die Verordnung des SBFI vom 27. April 20061 über die...

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