Urteil Nº 5A 747/2025 Bundesgericht, 12-09-2025

Date12 septembre 2025
Judgement Number5A 747/2025
Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal
5A_747/2025
Urteil vom 12. September 2025
II. zivilrechtliche Abteilung
Besetzung
Bundesrichter Bovey, Präsident,
Bundesrichter Herrmann, Hartmann,
Gerichtsschreiber Möckli.
Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Gian Brändli,
Beschwerdeführerin,
gegen
B.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Christine Pappert,
Beschwerdegegnerin,
C.________,
vertreten durch Andrea Fröhlich.
Gegenstand
Aufschub der Vollstreckbarkeit (Eheschutz),
Beschwerde gegen die Verfügung des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 5. September 2025 (RS250015-O/U 1).
Sachverhalt:
A.
A.________ (Beschwerdeführerin) und B.________ (Beschwerdegegnerin) haben 2015 in U.________ (Texas, USA) geheiratet. Sie sind beide die Mütter des 2022 in Deutschland geborenen Sohnes C.________, wobei die Beschwerdegegnerin in der Geburtsurkunde als "Geburtsmutter" und als "1. Mutter" aufgeführt ist und die Beschwerdeführerin zufolge Adoption am 2. Oktober 2023 als "2. Mutter" nachgetragen wurde. Das Kind wird zweisprachig in Deutsch und Spanisch erzogen.
Nach der Trennung verblieb die Beschwerdegegnerin mit dem Kind in der ehelichen Wohnung, während die Beschwerdeführerin eine eigene Wohnung bezog. Nach der Trennung wurde das Kind, wie bereits zuvor, überwiegend von der in der ehelichen Wohnung verbleibenden Beschwerdegegnerin betreut.
B.
Mit Eheschutzurteil vom 20. August 2025 regelte das Bezirksgericht Zürich die Folgen des Getrenntlebens. Dabei ging es u.a. auch um den Wegzug der Beschwerdegegnerin mit dem Kind nach Mexiko. Das Bezirksgericht erlaubte ihr, den Wohnsitz (gemeint: gewöhnlichen Aufenthalt) des Sohnes nach Mexiko zu verlegen (Ziff. 3), stellte diesen ab dem Zeitpunkt der Auswanderung unter ihre alleinige Obhut (Ziff. 4) und verpflichtete die Beschwerdeführerin zur Herausgabe des deutschen Passes von C.________ (Ziff. 8).
Im Berufungsverfahren gewährte das Obergericht des Kantons Zürich bei Berufungseingang superprovisorisch Aufschub der Vollstreckbarkeit in Bezug auf die Dispositivziffern 3 und 8. Jedoch wies es nach Eingang der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin zur Frage der aufschiebenden Wirkung mit Verfügung vom 5. September 2025 das Gesuch um Aufschub der Vollstreckung ab.
C.
Gegen diese Verfügung hat die Beschwerdeführerin am 10. September 2025 an der Loge des Bundesgerichtes eine vom 9. September 2025 datierende Beschwerde überbracht mit den Begehren, im Berufungsverfahren sei in Bezug auf die Wegzugsbewilligung und die Herausgabe des Passes superprovisorisch die Vollstreckbarkeit aufzuschieben.
Ferner stellte sie prozessual einen Antrag auf superprovisorische Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Mit Präsidialverfügung vom 10. September 2025 wurde dieser Antrag - nach Einholung des der Beschwerde nicht beigelegten erstinstanzlichen Eheschutzurteils - abgewiesen.
Erwägungen:
1.
Beschwerdegegenstand bildet ein kantonal letztinstanzlicher Entscheid über die aufschiebende Wirkung bzw. den Aufschub der Vollstreckung in einer Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 und Art. 75 Abs. 1 BGG). Er schliesst das Verfahren nicht ab und ist somit ein Zwischenentscheid. Solche können nur unter den besonderen Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 BGG mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden, wobei diese in der Beschwerde darzutun sind (BGE 144 III 475 E. 1.2; 150 III 248 E. 1.2). Der nicht wiedergutzumachende Nachteil wird in der Beschwerde hinreichend dargelegt.
Sodann ist der Entscheid über die aufschiebende Wirkung eine vorsorgliche Massnahme im Sinn von Art. 98 BGG (BGE 134 II 192 E. 1.5; 137 III 475 E. 2), weshalb nur verfassungsmässige Rechte als verletzt gerügt werden können, wofür das strikte Rügeprinzip gemäss Art. 106 Abs. 2 BGG gilt und bloss appellatorische Ausführungen ungenügend sind (zu den diesbezüglichen Begründungsvoraussetzungen BGE 142 III 364 E. 2.4; 149 III 81 E. 1.3). Ohnehin würde diese Kognitionseinschränkung auch bereits für die zugrunde liegende Hauptsache gelten, weil Eheschutzsachen als vorsorgliche Massnahmen im Sinn von Art. 98 BGG gelten (BGE 133 III 393 E. 5.1; 149 III 81 E. 1.3). Auf die genannten Rügeanforderungen wird jeweils im konkreten Sachzusammenhang zurückzukommen sein.
2.
Das bezirksgerichtliche Eheschutzurteil umfasst 94 Seiten und darin ist insbesondere auch die Wegzugsbewilligung im Sinn von Art. 301 Abs. 2 lit. a ZGB ausführlich sowie in Beachtung der hierfür massgeblichen Kriterien gemäss der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Leitentscheid: BGE 142 III 481) begründet.
Gemäss den Feststellungen im Eheschutzurteil gab die Beschwerdegegnerin in der ursprünglichen Zeit in München ihre Erwerbstätigkeit in Absprache mit der Beschwerdeführerin auf, um das Kind ab dem Zeitpunkt der Geburt zu betreuen. Sodann hat das Bezirksgericht der Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe das Kind während der anschliessenden Zeit in Zürich hälftig betreut, angesichts ihres vollzeitigen Erwerbspensums und des weitgehenden Erwerbsverzichtes der Beschwerdegegnerin beweiswürdigend keinen Glauben geschenkt, zumal die Beschwerdeführerin gemäss Schreiben des Arztes lediglich an zwei von insgesamt neun Behandlungen des Kindes teilgenommen hatte.
Weiter hat es festgestellt, dass auch nach der Trennung gemäss der Übergangslösung der Mediatorin ein namhaft grösserer Teil der Betreuung der Beschwerdegegnerin oblegen habe und C.________ weiterhin bei ihr übernachtet habe. Selbst wenn C.________ mittlerweile zwei Nächte pro Woche bei der Beschwerdeführerin verbringe, habe die Beschwerdegegnerin nach wie vor den überwiegenden Betreuungsanteil.
Sodann kam das Bezirksgericht beweiswürdigend zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin, welche in Mexiko im Kreis der Grossfamilie leben würde, das überzeugendere Betreuungskonzept vorlegen könne, während dasjenige der Beschwerdeführerin lückenhaft sei. Im Übrigen hielt es fest, dass das Kind mit 3 Jahren noch personen- und nicht ortsgebunden sei. Abgesehen davon werde es bereits zweisprachig aufgezogen und sei ihm das zu erwartende familiäre Umfeld in Mexiko bekannt.
3.
In der angefochtenen Verfügung geht es nicht um diese materiellen Fragen, sondern einzig darum, ob der Berufung die aufschiebende Wirkung zu erteilen bzw. die von Gesetzes wegen gegebene Vollstreckbarkeit aufzuschieben sei (Art. 315 Abs. 4 lit. a und b ZPO). Betreffend...

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