Verordnung des EJPD über Messmittel für ionisierende Strahlung (StMmV)

 
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Verordnung des EJPD über Messmittel für ionisierende Strahlung

(StMmV)

vom 7. Dezember 2012

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), gestützt auf die Artikel 5 Absatz 2, 8 Absatz 2, 16 Absatz 2, 17 Absatz 2, 24 Absatz 3 und 33 der Messmittelverordnung vom 15. Februar 20061 (MessMV) sowie die Artikel 64 und 112 der Strahlenschutzverordnung vom 22. Juni 19942

(StSV), verordnet:

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand

Diese Verordnung regelt:

a. die Anforderungen an Messmittel für ionisierende Strahlung;

b. die Verfahren für das Inverkehrbringen dieser Messmittel;

c. die Verfahren zur Erhaltung der Messbeständigkeit dieser Messmittel.

Art. 2 Geltungsbereich

Dieser Verordnung unterstehen folgende Messmittel für ionisierende Strahlung:

a. ortsunabhängige Referenz-Dosimetersysteme für die Strahlentherapie;

b. Oberflächenkontaminationsmonitore, die folgendermassen verwendet werden: 1. stationäre und mobile Systeme zur Personen-, Arbeitsplatz- und Materialüberwachung in Kernanlagen,

2. stationäre und mobile Systeme in den Arbeitsbereichen der Typen A und B nach Artikel 69 StSV;

c. Aktivimeter, die auf dem Schachtionisationskammerprinzip beruhen und in den nuklearmedizinischen Laboratorien zur Messung der Aktivität offener radioaktiver, zur medizinischen Anwendung bestimmter Quellen dienen;

SR 941.210.5

1 SR 941.210

2 SR 814.501

Messmittel für ionisierende Strahlung AS 2012

2013 Quellstärke: Aktivität einer radioaktiven Quelle, ausgedrückt in Becquerel (Bq);

2013 radioaktive Kontrollvorrichtung: radioaktive Quelle zur Erzeugung einer bekannten Strahlungsintensität für die Konstanzprüfung;

2013 Radionuklid: Nuklid, das spontan unter Strahlungsemission zerfällt;

2013 Radon: radioaktives Radonisotop Rn-222;

2013 Radonaktivitätskonzentration: Aktivität von Radon pro Volumeneinheit;

2013 Radondosimeter: Messmittel zur Ermittlung der Radonexposition;

2013 Radonexposition: Produkt aus Radonaktivitätskonzentration und Zeit;

2013 Radonmessgerät: Messmittel zur Ermittlung der Radonaktivitätskonzentration;

2013 Referenzquelle für Oberflächenkontaminationsmonitore: Grossflächenstrahler von 100 cm2 aktiver Fläche mit zertifizierter Oberflächen-Emissionsrate für die Kalibrierung von Oberflächenkontaminationsmonitoren;

2013 Richtwert: Wert einer Strahlungsintensität, der von einem Grenzwert abgeleitet wird, dessen Überschreiten gewisse Massnahmen bewirkt oder dessen Einhaltung auch die Einhaltung des zugehörigen Grenzwertes sicherstellt;

2013 röntgendiagnostische Einrichtungen: Röntgenanlage und die dazugehörigen bildgebenden oder bildverarbeitenden Systeme;

2013 Röntgenstrahlung: ionisierende Strahlung, die aus niederenergetischen Photonen im Energiebereich von 10 keV bis 300 keV besteht;

2013 Schachtionisationskammer: zylindrische Ionisationskammer mit einer Öffnung auf der Achse zum Einbringen der zu messenden Substanz;

2013 Sensitometer: Messmittel zur Bestimmung der Empfindlichkeit des Röntgenfilms einer röntgendiagnostischen Einrichtung;

2013 Strahlenqualität: spektrale Zusammensetzung von Elektronen-, Photonenund Röntgenstrahlung;

2013 Vertrauensniveau: Wahrscheinlichkeit, dass die Menge der wahren Werte einer Messgrösse im spezifizierten Intervall enthalten ist;

2013 Wasserphantom: mit Wasser gefüllter Plexiglasbehälter, der in der Strahlentherapie stellvertretend für lebendes Gewebe zur Bestimmung der Dosis verwendet wird.

Messmittel für ionisierende Strahlung AS 2012

Anhang 2 (Art. 420136)

Ortsunabhängige Referenz-Dosimetersysteme für die Strahlentherapie

1 Aufbau, messtechnische Eigenschaften

Jedes System besteht aus einer Ionisationskammer, einem Elektrometer und einer radioaktiven Kontrollvorrichtung. Der Aufbau und die messtechnischen Eigenschaften dieser Komponenten haben dem vorgesehenen Einsatzzweck sowie dem Stand der Technik zu entsprechen.

2 Eichung

2.1 Den Systemen muss für die Eichung eine Bedienungsanleitung mit technischer Beschreibung beiliegen.

2.2 Bei der Eichung wird das System auf Funktionstüchtigkeit geprüft und kalibriert. Die radioaktive Kontrollvorrichtung wird begutachtet und die dem Kontrollstrom entsprechende Anzeige im Eichzertifikat als Kontrollanzeige festgehalten.

2.3 Das System wird für den Gebrauch freigegeben, wenn es mit einer relativen totalen Messunsicherheit innerhalb ± 3 %, für weiche Röntgenstrahlung mit Erzeugungsspannungen kleiner oder gleich 100 kV innerhalb ± 4 %, bei einem Vertrauensniveau von 95 % kalibriert werden kann.

2.4 Bei der Eichung für Photonenstrahlung muss das System bei den Strahlenqualitäten kalibriert werden, bei denen es eingesetzt wird. Die Kalibrierung erfolgt möglichst nahe bei diesen Qualitäten. In der Regel wird pro Qualität nur bei einem Dosisleistungswert kalibriert.

Bei der Eichung für Elektronenstrahlung werden die Halbwerttiefen, bei denen die Kalibrierung der Systeme unter Berücksichtigung der Messmöglichkeiten des METAS erfolgt, wie folgt gewählt: Jede Halbwerttiefe R50, bei der das System eingesetzt wird, muss zwischen zwei Halbwerttiefen liegen, bei denen kalibriert wird, wobei deren Differenz maximal 2 g cm-2

betragen darf. In der Regel wird pro Qualität nur bei einem Dosisleistungswert kalibriert.

3 Fehlergrenzen bei Kontrollen

3.1 Wenn die Systeme häufiger als einmal pro Halbjahr eingesetzt werden, müssen sie wenigstens halbjährlich mit der radioaktiven Kontrollvorrichtung auf ihre Funktionsfähigkeit und Konstanz hin überprüft werden. Andernfalls muss diese Überprüfung jeweils vor Gebrauch erfolgen.

Die Luftdichtekorrektur bei der Prüfung mit der radioaktiven Kontrollvorrichtung hat mit rückverfolgbar kalibrierten Thermometern und Barometern zu erfolgen. Die Luftdichtekorrektur muss bei einem Vertrauensniveau von

Messmittel für ionisierende Strahlung AS 2012

95 % auf mindestens ± 0,3 % genau sein. Dabei müssen folgende Daten schriftlich festgehalten werden: 2013 Datum der Prüfung, Visum der ausführenden Person, 2013 Identifikation des Elektrometers, der Kammer, des Adapters, der radioaktiven Kontrollvorrichtung, 2013 Kontrollanzeige, dem Nullstrom einschliesslich Leckstrom entsprechende Anzeige vor und nach der Kontrollstrommessung sowie Temperatur und Luftdruck, 2013 luftdichtekorrigierte Kontrollanzeige, bezogen auf die Referenztemperatur T0 = 293,15 K und den Referenzluftdruck p0 = 1013,25 hPa, sowie die auf das Datum der Prüfung umgerechnete, im Eichzertifikat aufgeführte Kontrollanzeige.

3.2 Bei der Konstanzprüfung darf die Kontrollanzeige von dem im Eichzertifikat festgehaltenen und auf das Datum der Prüfung umgerechneten Wert um nicht mehr als folgende Werte abweichen: 2013 1,5 % für weiche Röntgenstrahlung (2264 100 kV) 2013 0,5 % für harte und hochenergetische Photonenstrahlung ( 100 kV) 2013 1,0 % für Elektronenstrahlung

Wenn die Abweichung grösser ist, muss das Messmittel nachgeeicht werden.

4 Gültigkeitsdauer der Eichung

Die Gültigkeitsdauer der Eichung beträgt vier Jahre. Das METAS kann die Fristen für einzelne Bauarten bestimmter Herstellerinnen verlängern oder verkürzen, wenn die messtechnischen Eigenschaften der verwendeten Messmittel dies erlauben oder verlangen.

Messmittel für ionisierende Strahlung AS 2012

Anhang 3 (Art. 720139)

Oberflächenkontaminationsmonitore

1 Aufbau, messtechnische Eigenschaften

1.1 Der Aufbau und die messtechnischen Eigenschaften der Geräte haben dem Stand der Technik, wie er insbesondere in der Norm IEC 60325ed3.0 (2002201306)4 zum Ausdruck kommt, und dem vorgesehenen Einsatzzweck zu entsprechen.

1.2 Die Geräte müssen ein Vielfaches des nuklidspezifischen Richtwertes für die Kontamination nach Anhang 3 StSV oder die Zählrate anzeigen. Bei Anzeige des Vielfachen des nuklidspezifischen Richtwertes muss wahlweise auch die Zählrate abgelesen werden können.

1.3 Zeigen Geräte nur die Zählrate an, so muss für ein betrachtetes Nuklid die Nettozählrate, die einem Richtwert entspricht (Richtwertzählrate, RWZ), auf dem Gerät deutlich angegeben sein.

2 Eichung

2.1 Den Geräten muss bei der Eichung eine Bedienungsanleitung mit technischer Beschreibung und eine Liste mit den Nukliden, für die das Gerät zu eichen ist, beiliegen.

2.2 Bei der Eichung wird überprüft, ob für eine bestimmte Oberflächenaktivität eines gegebenen Nuklids das Messresultat innerhalb der vorgeschriebenen Eichfehlergrenze liegt.

2.3 Für Geräte mit fester Messzeit wie Ausgangsmonitore wird geprüft, ob eine Kontamination, die dem Richtwert entspricht, innerhalb der vorgegebenen Messzeit angezeigt wird.

2.4 Die Eichfehlergrenzen betragen ± 50 %.

3 Fehlergrenzen bei Kontrollen

Wenn bei einer amtlichen Kontrolle ausserhalb der Eichung die Messabweichung des Gerätes grösser als die Eichfehlergrenze ist, muss das Messmittel nachgeeicht werden.

4 Eichverfahren

4.1 Basis für die Eichung der Geräte sind die Oberflächenemissionsraten der bei der Eichung verwendeten radioaktiven Referenzquellen für Oberflächenkontaminationsmonitore. Die Eichung wird auf die aktive Fläche dieser Referenzquellen von 100 cm2 bezogen.

4 IEC 60325ed3.0 (2002-06): Alpha, beta and alpha/beta (beta energy 60 keV) contamination meters and monitors. Die Norm kann kostenlos eingesehen werden beim Eidgenössischen Institut für Metrologie, 3003 Bern, oder bezogen werden bei der Schweizerischen Normenvereinigung (SNV), 8400 Winterthur, www.snv.ch.

Messmittel für ionisierende Strahlung AS 2012

4.2 Die Referenzgrösse ist die RWZ. Diese Grösse muss nach folgender Formel berechnet werden:

RWZ = CS · W · 03a3j (03b5i,j · 03b5d,j · 03b5s,j)

Dabei gilt: 03b5i,j: Empfindlichkeit oder Oberflächenemissions-Ansprechvermögen eines Geräts für die Strahlenart j, 03b5d,j: Emissionshäufigkeit eines gegebenen Nuklids für die Strahlenart j, 03b5s,j: Oberflächenemissionsrate einer Kontaminationsquelle dividiert durch die Erzeugungsrate von Partikeln oder Photonen der gleichen Strahlenart j mit 03b5s = 0,5 für 03b3-Quellen sowie...

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