Botschaft zur Genehmigung des Internationalen Kakao-Übereinkommens von 2010

 
KOSTENLOSER AUSZUG

11.2.3 Botschaft

zur Genehmigung des Internationalen Kakao-Übereinkommens von 2010

vom 12. Januar 2011

11.2.3.1 Grundlagen und Übersicht zum Abkommen

Übersicht

Das Internationale Kakao-Übereinkommen von 2010 bezweckt die Fortführung der internationalen Bestrebungen zur Stärkung des Weltkakaosektors und die Förderung seiner nachhaltigen Entwicklung in marktwirtschaftlichem Rahmen zum Wohl aller Akteure des Sektors. So werden die Mitglieder der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) zur Entwicklung eines wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigen Kakaosektors ermutigt.

Die Schweiz ist 1972 dem ersten Internationalen Kakao-Übereinkommen1 beigetreten. Danach trat sie den nachfolgenden Übereinkommen von 19752, 19803, 19864, 19935 und 20016 bei. Seit 1973 ist die Schweiz ICCO-Mitglied. Diese Organisation mit Sitz in London stellt die Durchführung des Kakao-Übereinkommens sicher und überwacht dessen Anwendung. Das Internationale Kakao-Übereinkommen von 2010 (ICCA 2010) wurde unter der UNCTAD-Schirmherrschaft am 25. Juni 2010 anlässlich der Kakaokonferenz der Vereinten Nationen (21.-25. Juni 2010) in Genf angenommen. Das neue Übereinkommen tritt an die Stelle des Übereinkommens von 2001, welches ab dem 1. Oktober 2010 bis zu dem Zeitpunkt verlängert worden ist, in dem die Bedingungen für das vorläufige oder endgültige Inkrafttreten des neuen Übereinkommens erfüllt sind.

Das ICCA 2010 verstärkt die Bestimmungen zur Markttransparenz und zur Nachhaltigkeit des Sektors. Künftig obliegt es den Mitgliedern soweit möglich Informationen zum Bestand von Produkten auf Kakaogrundlage zu liefern, was die Verfeinerung der Vorhersagen zur Preisentwicklung erlaubt. Im Übereinkommen konnte eine Definition einer nachhaltigen Kakaowirtschaft festgeschrieben werden. Sie berücksichtigt die drei Pfeiler der Nachhaltigkeit, also die wirtschaftliche, soziale und ökologische Dimension in der ganzen Wertschöpfungskette, und betont die Notwendigkeit, die Produktivität und die Rentabilität in der Wertschöpfungskette

1 Vgl. Botschaft vom 21. Februar 1973 über das Internationale Kakao-Übereinkommen von

1972 (BBl 1973 I 805).

2 Vgl. Botschaft vom 21. Januar 1976 über das Internationale Kakao-Übereinkommen von

1975 (BBl 1976 I 925).

3 Vgl. Botschaft vom 25. Februar 1981 über das Internationale Kakao-Übereinkommen von

1980 (BBl 1981 II 1).

4 Vgl. Botschaft vom 14. Januar 1987 über das Internationale Kakao-Übereinkommen von

1986 (BBl 1987 I 485).

5 Vgl. Botschaft vom 19. Januar 1994 über das Internationale Kakao-Übereinkommen von

1993 (BBl 1994 I 681).

6 Vgl. Botschaft vom 15. Januar 2003 zum Internationalen Kakao-Übereinkommen von

2001 (BBl 2003 1015) und BB über das Internationale Kakao-Übereinkommen von 2001 (AS 2004 1309).

des Kakaos, insbesondere für Kleinproduzenten, zu verbessern. In Bezug auf die Arbeitsbedingungen ist das ICCA 2010 das erste Rohstoff-Übereinkommen, das ausdrücklich auf die anwendbaren Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) verweist. Auf institutioneller Ebene wurden zur Optimierung von Kohärenz und Wirksamkeit der eingesetzten Ausschüsse Anpassungen bezüglich der Schaffung von zwei Ausschüssen (Verwaltung und Finanzen; Wirtschaft) gutgeheissen und damit frühere Strukturen ersetzt. Die maximale Geltungsdauer des Übereinkommens wurde auf vierzehn Jahre verlängert.

Der Kakaomarkt

Die Côte d'Ivoire ist der grösste Kakaoerzeuger. Im Verhältnis zur Weltkakaoproduktion, die für 2008/2009 auf 3,5 Millionen Tonnen geschätzt wird, hat die Côte d'Ivoire 1,2 Millionen Tonnen produziert, Ghana 662 000 Tonnen und Indonesien 490 000 Tonnen. Die restliche Weltproduktion verteilt sich auf mehr als 40 Länder mit Anteilen, die von 250 000 Tonnen für Nigeria bis zu 400 Tonnen für Thailand variieren. Die Kakaoausfuhren sind für die entsprechenden Entwicklungsländer eine bedeutende Devisenquelle. Millionen ländlicher Haushalte erzielen daraus einen wichtigen Teil ihrer Einkommen. Bei den Ausfuhren von Kakaobohnen stammten zwischen 2004 und 2009 etwa 40 % der weltweiten Ausfuhren aus der Côte d'Ivoire, 20 % aus Ghana und 15 % aus Indonesien. Diese drei Länder vertreten damit 75 % der Weltausfuhren, was eine Konzentration der Versorgung mit Kakaobohnen in diesen Ländern mit sich bringt.

Die Schwankungen bei der Kakaoproduktion, insbesondere in der Côte d'Ivoire, haben Auswirkungen auf den Weltkakaopreis. Der Ernterückgang in der Côte d'Ivoire, der namentlich auf Pilzbefall der Kakaobäume und auf die Alterung der Kulturen zurückzuführen ist, hat einen Einfluss auf das Angebotsvolumen. Dessen Rückgang hat stark zum Anstieg des Kakaopreises beigetragen. Dieser Kursanstieg des Kakaos ist zum Vorteil der Erzeuger, vor allem wenn die Fiskalabgaben der Erzeugerstaaten entlang der Versorgungskette nicht zu hoch sind. Hingegen haben die hohen Kurse einen Anstieg der Produktionskosten der Schokoladehersteller nach sich gezogen und einige haben deshalb den Kakaogehalt von Erzeugnissen auf Kakaogrundlage...

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