Die Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz. Bericht des Bundesrates

Auszug


Die Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz. Bericht des Bundesrates

Die Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze in der Schweiz

Bericht des Bundesrates1

vom 17. September 2010

1 Eine illustrierte Fassung des Berichtes ist auf der Internetsite des Eidgenössischen

Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK veröffentlicht: http://www.uvek.admin.ch

Zusammenfassung

Der vorliegende Bericht enthält erstmals eine Gesamtschau über die sechs massgeblich im Zuständigkeitsbereich des Bundes liegenden Infrastrukturnetze von nationaler Bedeutung:

1. Strasse: 1790 km Nationalstrassen

2. Schiene: 3011 km SBB-Strecken und 2137 km Privatbahn-Strecken

3. Luftfahrt: 3 Landesflughäfen (Zürich, Genf, Basel) und Flugsicherung (Skyguide)

4. Strom: 532 Wasserkraftwerke, 5 Kernkraftwerke, 6696 km Hochspannungsleitungen für die allgemeine Versorgung (50 Hz), rund 1600 km Hochspannungsleitungen für die Bahnstromversorgung (16,7 Hz)

5. Gas: 2277 km Hochdruck-Pipelines

6. Telekom: alle Fest-, Kabel-, Mobilfunk- und Rundfunknetze

Der Bericht behandelt im Wesentlichen die folgenden drei Themen:

- den heutigen Stand und die wirtschaftliche Bedeutung der nationalen Infra-strukturnetze

- die wichtigsten Trends und Herausforderungen bis zum Jahr 2030

- die Leitlinien des Bundesrates für die zukünftige Infrastrukturpolitik

Ergänzend enthält der Bericht im Anhang - soweit Angaben verfügbar sind - eine Schätzung der zwischen 2010 und 2030 anfallenden Kosten für den Ausbau und Unterhalt der sechs nationalen Infrastrukturnetze.

- Der heutige Stand der nationalen Infrastrukturnetze ist - auch im internationalen Vergleich - gut. Die hohe Qualität der Infrastrukturnetze stellt einen zentralen Faktor der Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Landes dar. Dieser Vorteil ist allerdings nicht dauerhaft gesichert. In den meisten nationalen Infrastrukturnetzen bestehen heute kritische Engpässe und Schwachstellen. Namentlich im Schienennetz und bei den Hochspannungsleitungen besteht ein Nachholbedarf im Substanzerhalt, der bisher allerdings keine Auswirkungen auf Sicherheit und Funktionalität hatte.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Infrastrukturnetze wird tendenziell unterschätzt. Diese stellen nicht nur einen bedeutenden Kapitalwert dar (geschätzter Wiederbeschaffungswert: ca. 450 Mrd. CHF), sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zu Wertschöpfung (5,3 % des BIP) und Beschäftigung (4,5 % der Vollzeitstellen). Vor allem aber sind die Infra-strukturnetze eine notwendige Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftliche Wohlfahrt; leistungsfähige und zuverlässige Infra-strukturnetze bilden eine unverzichtbare Lebensgrundlage.

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Die Kehrseite dieser Tatsache ist das potenziell enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Schadensausmass, das ein grossflächiger Ausfall der nationalen Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationsnetze nach sich ziehen würde. Problematisch sind aus volkswirtschaftlicher Sicht auch die externen Kosten in Verbindung mit den Infrastrukturnetzen, welche zu einer weder ökonomisch noch ökologisch nachhaltigen Ressourcenverschwendung führen.

- Die künftige Entwicklung der Infrastrukturnetze wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. «Treibende» Faktoren sind z.B. das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, die Raumdynamik, der technische Fortschritt oder die Integration der europäischen Märkte. «Hemmende» Faktoren sind u.a. die begrenzte Belastbarkeit von Mensch, Umwelt und Raum, die Endlichkeit der Rohstoffe (speziell der fossilen Energieträger) sowie die Knappheit der öffentlichen Finanzen.

Betrachtet man die Summe all dieser Wirkungskräfte, erscheinen folgende Entwicklungstrends und Herausforderungen für die nationalen Infrastrukturnetze bis ins Jahr 2030 als wahrscheinlich:

- Die Nachfrage nach Mobilität, leitungsgebundener Energie und Kommunikation wird weiter wachsen und zusätzlichen Bedarf an Netzkapazitäten hervorrufen.

- Es wird in der Schweiz keine vollkommen neuen respektive neuartigen Infrastrukturnetze geben.

- Die bestehenden Infrastrukturnetze werden immer stärker belastet sein.

- Der Aufwand für die Pflege, Modernisierung und Leistungssteigerung der Netze wird - besonders im dicht besiedelten Mittelland, wo sich der Schwerpunkt der wirtschaftlichen und räumlichen Entwicklung befindet - immer grösser werden.

- Umgekehrt wird die betriebliche, volkswirtschaftliche und ökologische Effizienz der Infrastrukturnetze dank neuer Technologien und multimodaler Nutzungsformen erheblich zunehmen.

- Die technische Konvergenz der verschiedenen Infrastrukturnetze wird voranschreiten und die wechselseitige Abhängigkeit, aber auch das Synergiepotenzial erhöhen.

- Die Planungs-, Entscheidungs- und Handlungskompetenzen in Bezug auf die Infrastrukturnetze und -dienste werden sich zunehmend auf die europäische Ebene verlagern.

- Die Infrastrukturpolitik des Bundesrates orientiert sich am übergeordneten Ziel einer nachhaltigen Entwicklung, die ...

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