Bilaterale Freihandelsabkommen Im Asiatisch-Pazifischen Raum: Konzeptionelle Schwächen Und Folgen Für Regionale Produktionsnetzwerke

Résumé


Bilateral free trade agreements are mushrooming all over the world. The current standstill in multilateral trade negotiations will contribute further to this trend. Since dialogue in the Doha-Round came to a halt in July 2006, bilateral agreements have received additional support. In this paper, the author will analyse the utility of bilateral trade agreements and the systemic disadvantages they have for weaker players. Dispute settlement is a major issue. The question here is whether bilateral dispute settlement is inferior to the multilateral regime. Subsequently he will consider the evidence provided by Australia's Free Trade agreement with the United States as well as the bilateral agreements of Singapore and Thailand. It will be demonstrated that the current wave of bilateral agreements is having negative consequences for regional production networks.

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Extrait


Bilaterale Freihandelsabkommen Im Asiatisch-Pazifischen Raum: Konzeptionelle Schwächen Und Folgen Für Regionale Produktionsnetzwerke

1 Einleitung

Der Charakter des Regionalismus in der asiatisch-pazifischen Region wandelt sich seit einigen Jahren unübersehbar. Während sich bis zur Jahrhundertwende die meisten Länder der Region auf die Teilnahme am multilateralen Handelsregime konzentrierten, findet heute eine Neuausrichtung auf bilaterale Freihandelsabkommen statt. Fast alle Staaten der asiatischpazifischen Region haben den Kurs ihrer Handelspolitik geändert. Bilaterale Handelsabkommen werden auch in anderen Teilen der WeIt abgeschlossen, aber nirgendwo sonst sind die Befürworter des Bilateralismus so aktiv wie im asiatisch-pazifischen Raum (LLOYD 2002).

Die Gründe hierfür sind auf mehreren Ebenen zu suchen. Ein wesentlicher Faktor ist die Enttäuschung über die schleppende Weiterentwicklung der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC). Nicht minder wichtig ist die Orientierung asiatischer Länder an der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, die vermehrt bilaterale und regionale Präferenzabkommen abschliessen (HUFBAUER und WONG 2005). Die Zunahme bilateraler Präferenzabkommen ist die wichtigste Veränderung in den intergouvernementalen Beziehungen im asiatisch-pazifischen Raum seit der Asienkrise (RAVENHILL 2003). In dieser schweren Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Schwächen existierender Institutionen aufgedeckt worden, vor allem der APEC und der südostasiatischen ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) (CAMROUX 2001). Seitdem ist ein Trend sowohl zu monetärem Regionalismus, der in diesem Beitrag nicht untersucht wird, als auch zu bilateralen Praferenzabkommen zu erkennen (DIETER und HIGGOTT 2003).

Oberflächlich gesehen lasst sich dieser Trend damit erklären, dass sich der Handel aus Sicht der Staaten durch bilateral vereinbarte Massnahmen viel schneller liberalisieren lässt, als es im multilateralen Regime möglich wäre, das heisst innerhalb des Regelwerks der Welthandelsorganisation. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese Erklärung aber als nicht stichhaltig. Bilateralismus muss nämlich nicht nur am Vergleichsmassstab existierender multilateraler Regime beurteilt werden, sondern auch im Vergleich zu unilateraler Liberalisierung des Aussenhandelsregimes eines Landes. Eine Volkswirtschaft kann Zölle und andere Handelsbeschränkungen aus eigener Initiative abbauen. Sehr viele ökonomische Vorteile einer solchen Handelsliberalisierung stellen sich rasch ein und ohne dass zuvor darüber mit anderen Staaten hätte verhandelt werden müssen: Niedrigere Preise für Importe - und damit sowohl billigere Vorprodukte und Investitionsgüter als auch billigere Konsumgüter - können durch unilaterale Handelsliberalisierung sehr kurzfristig realisiert werden.1

In diesem Beitrag wird der Nutzen bilateraler Handelsabkommen analysiert werden. Dies erfordert die Kenntnis sowohl der Vorteile als auch der Kosten derartiger Vereinbarungen. Die Frage muss gestellt werden, ob Freihandelsrhetorik und Realität derartiger Abkommen nicht sehr weit auseinanderklaffen. Drei signifikante Fälle wurden ausgewählt. Zunächst soil das Abkommen zwischen Australien und den USA (Australia-United States Free Trade Agreement - AUSFTA) betrachtet werden. Dieses erste Freihandelsabkommen Australiens mit einem anderen OECD-Land, abgesehen vom Nachbarstaat Neuseeland, ist zugleich auch das wichtigste Freihandelsabkommen der USA seit Vollendung der nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) in den neunziger Jahren. Zwar haben die USA in den letzten Jahren mehrere Freihandelsabkommen verhandelt, jedoch sind die betroffenen Volkswirtschaften - Jordanien, Bahrain, Chile oder Singapur - m...

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